Expertenbeitrag Entlassungsmanagement und pflegende Kinder2020-08-12T20:00:32+01:00

Kinder und Jugendliche als Angehörige in der Entlassung mitdenken

Der Beitrag stammt aus dem Handbuch ‚Kinder und Jugendliche als pflegende Angehörige – Pflegeverantwortung bei jungen Menschen erkennen‘ aus dem Jahr 2018. Das Handbuch wurde im Rahmen des Erasmus+ Projekts „EPYC“ entwickelt und kann hier heruntergeladen werden.

Die Versorgungsplanung ist seit dem 01.Oktober 2017 mit der neuen Gesetzgebung zum Entlassmanagement § 39 Abs. 1a SGB V vermehrt in den Fokus geraten. Dieser Paragraph formuliert Anforderungen an ein strukturiertes Entlassmanagement, umso Versorgungslücken zu vermeiden.

Der Krankenhausalltag in der Sozialen Arbeit ist von einem enormen Zeitdruck geprägt, da die Verweildauern im Krankenhaus immer weiter sinken und die Patient*innen immer höhere Komplexitäten aufweisen, welche in einem sehr kurzen Zeitraum erkannt und wenn möglich einleitend unterstützt werden müssen.

Kinder und Jugendliche mit Pflegeverantwortung bisher nicht im Fokus des Entlassungsmanagements

Der Fokus auf pflegende Kinder und Jugendliche spielt in diesem Zusammenhang bisher eine eher untergeordnete Rolle. Ursachen hierfür sind zum Beispiel, dass sie im regulären Beratungsgespräch selten anwesend sind und von dem betroffenen Elternteil nicht als unterstützende Kraft benannt werden. Die Veröffentlichung von Frau Metzing „Kinder und Jugendliche als pflegende Angehörige.“ macht deutlich in welchen Bereichen pflegende Kinder und Judengliche Unterstützung bieten. Wichtig ist in diesem Zusammenhang jedoch die Abgrenzung zur regulären „altersentsprechenden“ Unterstützung im Haushalt.

Anders als die Pflege durch Kinder und Jugendliche ist die psychische Belastung durch einen chronisch kranken Elternteil schon immer von zentraler Bedeutung für die Beratung gewesen. In Gesprächen (auch gemeinsam mit Psychologen) wird hier sensibel auf die Situation eingegangen und Unterstützungsmaßnahmen angeboten.

Neben der Pflege stehen noch eine Vielzahl von anderen Veränderungen in der Familie mit einer chronischen Erkrankung in Zusammenhang. Um nur Einige zu nennen:

  • Die finanzielle Belastung durch den Verlust der Arbeitsfähigkeit,
  • die Einschränkung in der Versorgung der Kinder oder
  • die massiven Sorgen der Kinder, welche nicht selten Glauben das die Krankheit des Elternteils mit Ihnen im Zusammenhang steht (der letzte Streit um eine Prüfung oder ähnliches),

Unterstützungsangebote integrieren

Gerade im onkologischen Bereich spielt dies häufig eine Rolle. Hier können Hospizdienste, welche auf Familien mit Kindern spezialisiert sind, ggf. Familienhilfen, Kinder- und Jugendpsychologen, familienorientierte Rehabilitation oder Stiftungen mit einmaligen finanziellen Hilfen eine Unterstützung darstellen. Zeitgleich kann unter bestimmten Bedingungen eine Haushaltshilfe über die Krankenkassen beantragt werden. Eine weitere große Unterstützung im Umgang mit Krankheit und Tod außerhalb der Klinik und im regulären Alltag der Kinder ist das Projekt „Hospiz macht Schule“. Hier lernen sie sich gegenseitig zu unterstützen und haben die Möglichkeit im Klassenverband über ihre Erlebnisse zu sprechen.

Rolle des Entlassungsmanagements

Im Krankenhaus kann nur eine „Ersthilfe“ geleistet werden und das Krankenhauspersonal muss weiterhin sensibilisiert werden, um zum einen pflegende Kinder und Jugendliche zu identifizieren und zum anderen Bestrebungen der Eltern, Kinder nicht ihrem Alter entsprechend in die Pflege mit einzubeziehen, frühzeitig mit Angeboten und Hilfen entgegenzuwirken.

Ob diese Hilfen jedoch ankommen, Kinder und Jugendliche dadurch entlastet werden, gilt es im ambulanten Kontext durch die  Alltagsinstitutionen zu überwachen.

Foto von Cindy Stocklossa

Autorin Cindy Stoklossa

Leitung der Sozialdienste der Charité in Berlin und Bundesvorstand in der Deutschen Vereinigung für Soziale Arbeit im Gesundheitswesen

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