Junge Menschen mit Pflegeverantwortung und Migrationshintergrund2020-08-12T13:10:39+01:00

Fachgebiet: Interkulturelle Beratung
Gastbeitrag von Nazife Sari
Koordinatorin Modellprojekt „Interkulturelle BrückenbauerInnen in der Pflege“

Junge Menschen mit Pflegeverantwortung und Migrationshintergrund

Junge Pflegende aus Familien mit Migrationshintergrund stehen vor ähnlichen Herausforderungen wie ihre Gleichaltrigen. Sie kümmern sich um ihre Angehörigen und übernehmen täglich pflegerische Aufgaben. Es gilt auch hier, die besondere Problemlage dieser jungen Menschen zu erkennen, diese sichtbar zu machen und sie zu befähigen, sich für eigene Bedürfnisse sowie Interessen  einzusetzen.  Professionelle im Bildungs-, Jugend-, Familien-, Gesundheits- und Pflegesektor sollten für die spezifischen Bedarfe dieser Gruppe geschult und sensibilisiert werden. Zusätzlich ist jedoch in diesem Feld, neben einem wertschätzenden und offenen Umgang, eine transkulturelle Handlungskompetenz unerlässlich.

Trotz der schwierigen Lebensumstände und der belastenden Pflegeverantwortung wünschen sich junge Pflegende mit Migrationshintergrund wie alle anderen eine Normalität im Alltag und im Familienleben. Bereits aufgrund ihrer Sozialisation als „Migrantenkinder“ kennen sie Ausgrenzung, „Anderssein“ und haben eventuell in verschiedenen Lebensbereichen Benachteiligung erfahren. Um weitere Stigmatisierungen und soziale Ausgrenzung zu vermeiden, sollten Professionelle und Helfende im Umgang mit den Erfahrungen der betroffenen Jugendlichen vertrauensvoll und (diversitäts-) sensibel umgehen.  Die physische und psychische Belastung nehmen viele junge Menschen trotz zunehmender Überforderung teilweise zum Schutz ihrer Familien in Kauf. Unter anderem können Scham- und Schuldgefühle und  eine hohe Erwartungshaltung der Pflegebedürftigen nur durch ihre Familienmitglieder betreut zu werden, die Gesamtbelastung erhöhen. Entlastende Angebote greifen besser, soweit möglich die betroffenen Kinder/Jugendlichen, die Pflegebedürftigen und ggf.  alle Familienangehörigen in das Hilfesystem miteinbezogen werden. Dabei sollten familiär, kulturell oder religiös geprägte Bedürfnisse oder Interessen, sofern sie  eine Rolle spielen, berücksichtigt werden. In diesem Kontext ist es wichtig, sich durch transkulturelle Ansätze und vertrauensbildende Maßnahmen Zugänge zu den jungen Menschen und ihren Familien zu verschaffen. Unterschiedliche Zugangsbarrieren und Hemmschwellen, die die Annahme von externen Hilfen/ Beratung verhindern, wären zu  identifizieren und abzubauen. Dabei sollte in der Praxis der Fokus nicht zu sehr auf die Defizite gerichtet werden, sondern auch auf die vorhandenen Ressourcen der Betroffenen; um dann entsprechend geeignete Bewältigungsstrategien zu vermitteln.

Pflegebedürftige mit Migrationshintergrund und ihre Angehörigen sind nicht ausreichend über Leistungen der Pflege, entlastende Angebote und ergänzende Unterstützungssysteme informiert. Präventive Aufklärung als auch begleitende Beratung und Betreuung sind erforderlich, um auch diesen Jugendlichen eine Chance für eine altersgerechte Entwicklung als auch gleichberechtigte Teilhabe zu ermöglichen.

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