Krebskranken Kraft geben – Hilfe für dich und Angehörige2020-09-17T18:44:59+01:00

Wenn jemand in deiner Familie Krebs hat – Krebskranken Kraft geben und dabei auf sich selbst achten

Wenn jemand in deiner Familie an Krebs erkrankt ist oder eine andere schwere Krankheit hat, gibt es Phasen, in der die Person oft traurig, wütend oder verzweifelt ist. Gerade in diesem Fall ist es wichtig, Krebskranken Kraft zu geben. Auch deine Geschwister oder die gesunden Erwachsenen in der Familie sind häufiger traurig. Das ist auch ganz normal, denn es ist ein Weg, um mit der schwierigen Situation umzugehen. 

Vielleicht versuchst du als Young Carer dann für gute Stimmung zu sorgen, Mut zuzusprechen und aufzuheitern? Damit bist du deiner Familie in schweren Phasen eine große Stütze und hilfst den anderen ungemein. Manchmal kann es aber dann für dich auch einen großen Druck erzeugen. Du hast vielleicht das Gefühl, allein für die Stimmung in der Familie verantwortlich zu sein und deine jüngeren Geschwister vor der Traurigkeit zu schützen.

Der Wunsch deiner Familie zu helfen ist verständlich, du darfst dabei jedoch deine eigenen Bedürfnisse nicht aus den Augen verlieren. Denn nur wenn es dir selbst gut geht, kannst du auch andere unterstützen.

Wie kannst du Krebskranken Kraft geben?

Du hast dir wahrscheinlich schon oft überlegt, was du tun kannst, um deinem Vater oder deiner Mutter Halt zu geben, sie zu unterstützen und zu entlasten.

Es ist schön, wenn du für deine Eltern da sein möchtest, jedoch darfst du dich selbst dabei nicht vergessen. Hier einige Anregungen, was du tun kannst.

Im Haushalt helfen – aber bitte nicht zu viel

Es entlastet deine Eltern auch schon, wenn du nur kleine Hausarbeiten übernimmst. Du könntest zum Beispiel dein Zimmer sauber halten, den Esstisch abräumen, den Müll rausbringen oder den Abwasch übernehmen.

Niemand verlangt von dir alles zu machen, was bisher deine Eltern gemacht haben. Sollte deine Mutter oder dein Vater den Haushalt nicht mehr allein schaffen, kannst und solltest du dir Hilfe holen. Bitte entweder Verwandte euch zu helfen oder informiert euch über Unterstützung von professionellen Anbietern. Wir beraten euch gerne dazu.

Verbringe als Young Carer wertvolle Zeit mit deinen Eltern

Quality Time ist das Zauberwort. Lasst für einen Moment die Sorgen hinter euch und genießt gemeinsame Aktivitäten. Es reicht schon, wenn es ein gemeinsamer wöchentlicher Fernsehabend ist oder ein Spieleabend. Vielleicht schafft ihr es, die Krankheit und Sorgen einen Moment zu vergessen, zusammen zu lachen und fröhlich zu sein.

Wichtig ist, dass diese Zeit nur euch gehört, keine Störung von außen. Natürlich nur sofern es die Erkrankung und der Zustand deiner Eltern zulässt. Verabredet euch zu einem entspannten Frühstück oder puzzelt gemeinsam. Ganz egal was ihr macht, macht es gemeinsam.

Sprecht miteinander

So wichtig es ist, ausgelassen und fröhlich zu sein, so wichtig ist es auch, über ernste Dinge zu sprechen. Gib dir selbst die Möglichkeit über deine Gefühle zu sprechen und frage deine Eltern wie es ihnen in dieser Situation geht.

Versucht ehrlich miteinander zu sein und euch gegenseitig zu stützen. Wenn du weißt, was deine kranke Mutter oder dein kranker Vater gerade durchmachen, ist es einfacher für dich Verständnis zu zeigen und Kraft zu schenken.

Auch für deine Eltern kann es erleichternd sein, offen zu sagen was sie brauchen und was du für sie tun kannst. Andersherum können deine Eltern nur dann wissen, was dich sorgt und Angst macht, wenn du es ihnen erzählst. Auch wenn du dich überlastet fühlst mit Aufgaben, die du nun erledigst, sprich es aus. Wir hören oft von Eltern, die keine Ahnung hatte, wie sehr ihre Kinder überlastet waren. Das lag oft daran, dass die Kinder ihren Eltern nicht zeigen wollten, wie es ihnen geht, um nicht noch mehr Sorgen zu verbreiten. 

Zeige Verständnis und sei nicht böse

Kranke Menschen sind oft müde und brauchen ihre Ruhe, wie etwa Krebskranke während einer Chemotherapie. Es ist nicht böse gemeint, wenn dein Vater oder deine Mutter dich bittet sie in Ruhe zu lassen.

Vielleicht brauchen deine Eltern auch etwas Zeit für sich, denn auch sie müssen sich erst an die neue Situation gewöhnen und damit klarkommen.

Sie lieben dich nicht weniger, nur weil sie jetzt mehr mit sich selbst beschäftigt sind. Es ist für alle Beteiligten nicht einfach und jeder muss erst in seine Rolle hineinwachsen.

Wenn du aber das Gefühl hast, dass die kranke Person nicht mehr aus diesem “Loch” heraus kommt und schon lange still, abweisend oder traurig ist, holt euch Rat oder Hilfe. Manchmal bekommen Menschen mit einer Krebserkrankung auch eine Depression. Das kann aber meist gut behandelt werden. Wenn du dazu Rat suchst, kannst du uns auch schreiben.

Was kannst du für dich selbst tun

Es ist schön, dass du dich kümmerst und anderen helfen willst, doch es ist nicht deine Aufgabe dafür zu sorgen, dass sich die anderen immer gut fühlen. Bis zu einem gewissen Grad ist deine Unterstützung sinnvoll, doch du darfst dabei nicht dich und deine eigenen Gefühle vergessen.

Fühlst du dich überfordert? – 10 Tipps, um den Kopf freizubekommen

Krebskranken Kraft geben aber dich nicht überfordern

Merke dir – du bist weder für die Krankheit noch für die Situation, die sie auslöst, verantwortlich. Ganz im Gegenteil, auch du hast das Recht, getröstet und in den Arm genommen zu werden, wenn dir danach ist.

Es ist wichtig, dass du nicht in eine “Elternrolle” für zu lange Zeit schlüpfst und dich um alles kümmerst und verantwortlich fühlst. Deine Eltern sollten weiterhin Eltern sein. Wenn Sie das für eine Zeit nicht schaffen, gibt es aber auch Hilfsdienste, die deine Eltern entlasten können. Wir beraten dich gerne dazu.

Außerdem: Es ist in Ordnung traurig oder wütend zu sein. Das hilft dabei, mit der Situation umzugehen und kann eine Form von Trauer sein. Du hilfst deiner Familie auch, wenn du diese Gefühle bei ihnen zulässt – auch wenn es für dich manchmal schwer sein mag, das auszuhalten.

Auch du darfst traurig sein

Versuchst du auch, für deine Familie immer stark zu sein und all die negativen Gefühle abzufangen? Dann geht es dir wie vielen anderen Kindern mit kranken Eltern, Geschwistern oder Großeltern.

Du musst nicht immer für gute Stimmung sorgen und deine eigenen Gefühle unterdrücken. Auch du darfst einmal traurig und wütend sein. Niemand kann immer gut gelaunt und fröhlich sein.

Achte auf dich und dein Gefühlsleben. Denn deine Gefühle sind wichtig, egal ob du gerade ängstlich, einsam oder unsicher bist.

Du musst dich nicht verstecken aus Rücksichtnahme auf deine kranke Mutter oder deinen kranken Vater. Sprich mit deinen Eltern und sag ihnen wie es dir geht. Lacht gemeinsam und weint aber auch gemeinsam, das schweißt zusammen und du fühlst dich nicht mehr so allein.

Sollten deine Eltern nicht auf deine Bedürfnisse eingehen können, weil sie womöglich gerade mit ihrer eigenen Trauer zu kämpfen haben, wende dich an Beratungsstellen, wie uns. Es ist wichtig, dass du deine Gefühle und Ängste nicht runterschluckst.

Wie du besser mit negativen Gefühlen umgehen kannst und damit dir und Krebskranken Kraft gibst

Bist du oft frustriert oder wütend und weißt nicht wohin mit deinen Gefühlen? Es kann helfen, wenn du dich körperlich so richtig auspowerst und laut sein darfst.

Bist du oft traurig, suche dir jemanden, dem du dich anvertrauen kannst. Das können Freunde, Großeltern oder auch jemand in einer Beratungsstelle sein. Wichtig ist, dass dir jemand zuhört und du dir alles von der Seele sprechen kannst.

Lass nicht zu, dass dich deine negativen Gefühle davon abhalten auch noch fröhlich zu sein. Denn das darfst du, auch wenn jemand in deiner Familie krank ist. Positive Gefühle sind wichtig und helfen dir und deiner Familie stark zu bleiben und die Situation gemeinsam zu meistern.

Trau dich Fragen zu stellen und damit Krebskranken Kraft zu geben

Ist deine Mutter, dein Vater, dein Opa, deine Oma oder jemand anderes in deiner Familie krank, hast du wahrscheinlich viele Fragen. Sprich offen aus, was dich ängstigt und beunruhigt. Auch wenn diese Fragen im ersten Moment unangenehm erscheinen, hilft es wahrscheinlich auch dem Erkrankten, endlich offen darüber zu sprechen.

Womöglich suchst du Antworten auf diese Fragen:

Ist das ansteckend, bekomme ich jetzt auch Krebs?

Hast du große Schmerzen?

Musst du sterben? 

Was passiert dann mit uns, wenn du nicht mehr da bist?

Was passiert mit mir, wenn du ins Krankenhaus musst?

Ja, du darfst Fragen stellen, es ist dein Recht darüber Bescheid zu wissen. Das nimmt meist auch ein klein wenig die Angst vor der Krankheit. Du bist vorbereitet und weißt wie es weitergeht. 

Vielleicht können deine Eltern aber nicht mit dir darüber sprechen, wenn sie selbst noch mit ihren Ängsten und Trauer zu kämpfen haben. Krebs und andere Krankheiten können auch Erwachsene erst mal aus der Bahn werfen. Du kannst auch uns jederzeit deine Fragen stellen und wir helfen dir, antworten zu bekommen!

Mach dich schlau

Versuche dich über die Krankheit deiner Mutter oder deines Vaters zu informieren. Je mehr du darüber weißt, desto besser kannst du verschiedene Situationen verstehen und dem Krebskranken Kraft geben. 

Vielleicht hast du dann weniger Angst, wenn sich deine Mutter zum Beispiel übergibt oder du weißt, wann dein Vater am besten ein wenig Ruhe braucht. Es fällt dir dann auch leichter mit Gefühlsschwankungen deiner Eltern umzugehen.

Führe ein Tagebuch

Manchmal hilft es das Erlebte aufzuschreiben. Schreibe deine Gedanken auf, wie du dich fühlst und was dich bedrückt. Du musst es niemandem zeigen, es ist dein ganz privates Tagebuch. Hier kannst du ganz offen alles rauslassen und musst auf niemanden Rücksicht nehmen.

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