Pflegeunterstützungsgeld – Was steht mir zu2020-09-17T18:18:09+01:00

Pflegeunterstützungsgeld – Was steht mir zu, wenn ich meine Eltern oder Großeltern pflege?

Familien mit einer schwer kranken Person haben statistisch gesehen meist weniger Geld zur Verfügung. Um das auszugleichen und die pflegerische Betreuung zu sichern, haben Pflegebedürftige und deren Angehörige Anspruch auf Pflegeunterstützungsgeld und weitere Hilfe.

Hier findest du die wichtigsten Infos, welche finanzielle Unterstützung dir als Young Carer und deiner Familie zusteht und wo du dir Hilfe suchen kannst.

Pflegegrade

In Deutschland gibt es fünf Pflegegrade, die sich am Schweregrad der Erkrankung orientieren. Je weniger sich der Betroffene selbst versorgen kann, desto höher ist der Pflegegrad.

  • Pflegegrad 1
    Dies trifft zu, wenn die Selbstständigkeit nur in geringem Maße beeinträchtigt ist und der Betroffene sich eigentlich noch selbst um sich kümmern kann. Etwa leichte motorische Einschränkungen, wie Probleme beim Gehen oder dem Stehen.
  • Pflegegrad 2
    Hier hat der Betroffene bereits erhebliche Schwierigkeiten den Alltag ohne fremde Hilfe zu meistern. Meist braucht er Unterstützung im Haushalt und beim Einkaufen, aber eventuell auch bei der Körperpflege.
  • Pflegegrad 3
    Bei einer schweren Beeinträchtigung ist der Pflegebedürftige nicht mehr in der Lage den Haushalt selbstständig zu führen, Einkäufe zu erledigen oder sich selbst ohne fremde Hilfe zu pflegen.
  • Pflegegrad 4
    Hier liegt bereits eine besonders schwere Beeinträchtigung der Selbstständigkeit vor. In der Regel benötigt der Betroffene mehrmals täglich und auch nachts Hilfe.
  • Pflegegrad 5
    Diese pflegebedürftigen Menschen haben meist hohe oder besondere Anforderungen an die pflegerische Versorgung. Meist befinden sich Betroffene mit Pflegegrad 5 in einer stationären Betreuung oder werden zumindest von einem mobilen Pflegedienst mit versorgt.

Pflegeunterstützungsgeld für Angehörige

Generell bekommt der Pflegebedürftige das Pflegegeld und kann frei darüber verfügen. In vielen Fällen wird es jedoch an die Person weitergeben, die ihn unterstützt.

WICHTIG: Pflegegeld wird nur in Fällen der häuslichen Pflege ausbezahlt. 

Werden in einem Monat auch Pflegesachleistungen (durch einen Pflegedienst) in Anspruch genommen, verringert sich das Pflegegeld prozentual zu dem bereits verbrauchten Betrag.

Beispiel: Im Pflegegrad 2 besteht Anspruch auf € 316 Pflegegeld oder € 689 Pflegesachleistungen. Wurden bereits 20 % der Pflegesachleistungen verbraucht, werden nur mehr 80 % des Pflegegeldes ausbezahlt. Der Restanspruch an Pflegesachleistungen verfällt.

20 % von € 689 = € 137,80 Pflegesachleistungen
80 % von € 316 = € 252,80 Pflegegeld

Pflegegrad 1

Personen im Pflegegrad 1 haben keinen Anspruch auf Pflegegeld. Jedoch können Sie weitere Leistungen der Pflegeversicherung beanspruchen.

  • Bis zu € 125 monatlich für Betreuungs- und Entlastungsleistungen

Pflegegrad 2

In diesem Fall bekommt der Versicherte Pflegegeld, sofern er zu Hause versorgt wird. Erfolgt die Versorgung durch einen ambulanten Pflegedienst, können Pflegesachleistungen bezogen werden.

  • € 316 monatliches Pflegegeld oder
  • € 689 monatlich für Pflegesachleistungen
  • Monatlich € 770 als Zuschuss für eine vollstationäre Pflege im Pflegeheim
  • Monatlich € 689 für eine teilstationäre Pflege
  • € 125 pro Monat als Entlastungsbetrag
  • Maximal € 1.612 pro Jahr für Kurzzeitpflege
  • Maximal € 1.612 pro Jahr für Verhinderungspflege

Pflegegrad 3

Auch hier kann entweder Pflegegeld oder Pflegesachleistungen für einen ambulanten Pflegedienst bezogen werden.

  • € 545 monatliches Pflegegeld oder
  • € 1.298 monatlich für Pflegesachleistungen
  • Monatlich € 1.262 als Zuschuss für eine vollstationäre Pflege im Pflegeheim
  • Monatlich € 1.298 für eine teilstationäre Pflege
  • € 125 pro Monat als Entlastungsbetrag
  • Maximal € 1.612 pro Jahr für Kurzzeitpflege
  • Maximal € 1.612 pro Jahr für Verhinderungspflege

Pflegegrad 4

Im Pflegegrad 4 haben Betroffene die Auswahl zwischen dem monatlichen Pflegegeld oder Pflegesachleistungen, wenn ein ambulanter Pflegedienst die Versorgung übernimmt.

  • € 728 monatliches Pflegegeld oder
  • € 1.620 monatlich für Pflegesachleistungen
  • Monatlich € 1.775 als Zuschuss für eine vollstationäre Pflege im Pflegeheim
  • Monatlich € 1.612 für eine teilstationäre Pflege
  • € 125 pro Monat als Entlastungsbetrag
  • Maximal € 1.612 pro Jahr für Kurzzeitpflege
  • Maximal € 1.612 pro Jahr für Verhinderungspflege

Pflegegrad 5

Auch im Pflegegrad 5 besteht die Möglichkeit Pflegegeld oder Pflegesachleistungen zu beziehen.

  • € 901 monatliches Pflegegeld oder
  • € 1.995 monatlich für Pflegesachleistungen
  • Monatlich € 2.005 als Zuschuss für eine vollstationäre Pflege im Pflegeheim
  • Monatlich € 1.995 für eine teilstationäre Pflege
  • € 125 pro Monat als Entlastungsbetrag
  • Maximal € 1.612 pro Jahr für Kurzzeitpflege
  • Maximal € 1.612 pro Jahr für Verhinderungspflege

Weitere Geldleistungen neben dem Pflegeunterstützungsgeld

Da körperliche oder seelische Erkrankungen oft auch mit höheren Ausgaben verbunden sind, haben Pflegebedürftige die Möglichkeit bestimmte Pflegehilfsmittel im Wert von € 40 mit Erstattung der Pflegekasse zu bestellen.

Muss aufgrund der Erkrankung der Wohnraum umgebaut werden, unterstützt die Pflegekasse dies mit einer einmaligen Zahlung von maximal € 4.000.

Auch der Kauf eines Hausnotrufes wird in allen Pflegestufen mit einem einmaligen Betrag von € 10,49 unterstützt. Für die laufenden Kosten erhalten Pflegebedürftige € 18,36 monatlich. Hierbei handelt es sich meist um einen Armbandsender, welcher mit einem an das Telefonnetz angeschlossenen Hausnotrufgerät verbunden ist. Wird der Notfallknopf am Armbandsender betätigt, setzt das Notrufgerät einen Notruf an die damit verbundene Notrufzentrale ab.

Antrag auf Pflegeunterstützungsgeld– Wie und Wo

Grundsätzlich bekommen Personen mit einem anerkannten Pflegegrad von 2 bis 5 Pflegegeld, jedoch nur wenn sie zu Hause von Familienangehörigen oder anderen privaten Personen gepflegt werden.

Das Pflegegeld wird nach Zuteilung eines Pflegegrades rückwirkend ab dem Tag der Antragstellung ausbezahlt.

Den Antrag auf Überprüfung der Pflegebedürftigkeit kann man ganz einfach telefonisch oder schriftlich bei der zuständigen Pflegekasse stellen.

Pflegeberatung – Rat und Hilfe für dich und deine Familie

Befreiung der Rezeptgebühr 

Unter gewissen Voraussetzungen ist auch eine Befreiung der Rezeptgebühr möglich. Dies gilt insbesondere für chronisch Kranke mit einem Pflegegrad von 3 bis 5.

Aber auch Personen, die aufgrund eines geringen Einkommens nicht in der Lage sind für Arzneikosten aufzukommen, erhalten neben dem Pflegeunterstützungsgeld weitere finanzielle Hilfe. 

Ab welchem Einkommen diese Freistellung gilt, erfährst du bei der zuständigen Krankenkasse.

Anspruch auf einen Pflegekurs

Wenn du einen Angehörigen zu Hause unterstützt und pflegst, hast du die Möglichkeit einen kostenlosen Pflegekurs zu besuchen. Dort erhältst du genaue Anleitungen und wertvolle Hilfestellungen. Zudem triffst du dort auch andere Menschen, die in der gleichen Situation sind wie du und kannst dich mit ihnen austauschen.

Als Young Carer kannst du dich jederzeit bei deiner Kranken- und Pflegekasse über die nächsten Kurse informieren.

Tagespflege und Pflegeheim – Wenn die Pflege zu Hause nicht mehr reicht

Eine gute Möglichkeit, um Pflege und Betreuung mit Arbeit, Schule und Freizeit in Einklang zu bringen, ist die Nutzung einer Tagespflege. Hier werden pflegebedürftige Menschen von morgens bis nachmittags betreut und versorgt. Auch Aktivitäten zur Freizeitgestaltung gibt es in Tagespflegeeinrichtungen. 

Wenn Pflegebedürftige zu Hause nicht mehr ausreichend versorgt werden können oder Ihr euch als Familie gegen die Pflege zu Hause entscheidet, ist der Umzug in ein Pflegeheim oft eine gute Lösung.

Nähere Informationen und Beratung zum Thema Pflegeunterstützungsgeld

Nähere Infos bekommst du bei uns oder bei einer Pflegeberatung. Die Pflegestützpunkte Berlin bieten kostenlose Pflegeberatung an und beantworten alle Fragen. Sie können dir genaue Auskunft darüber geben, was deiner Familie im Pflegefall zusteht und wo du dich hinwenden kannst.

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