Schulstress durch (Pflege-)Verantwortung?2020-09-17T09:02:33+01:00

Schulstress durch (Pflege-)Verantwortung?

Du bist Young Carer und hast Schulstress oder Stress an der Uni, fühlst dich überfordert und hast nicht immer die nötige Zeit zum Lernen? Du kannst dich oft nur schwer konzentrieren und bist mit deinen Gedanken dabei, zu überlegen, ob zu Hause alles okay ist? 

  • Womöglich hast du Schwierigkeiten dich zu konzentrieren und bist ständig müde?
  • Du kommst häufiger zu spät und fehlst öfter, weil du zusätzliche Aufgaben zu Hause übernimmst. Deiner Mutter geht es schlecht und du möchtest sie nicht allein lassen oder du begleitest sie zu einem wichtigen Arzttermin?
  • Du hast nicht genügend Zeit zum Lernen und um deine Hausaufgaben zu machen?
  • Du fühlst dich manchmal irgendwie anders und von deinen Mitschülern unverstanden?

Du bist damit nicht allein! Viele Jugendliche, die sich zu Hause um ein krankes Familienmitglied kümmern, haben durch ihre zusätzlichen Aufgaben auch Probleme die Anforderungen im Unterricht zu bewältigen, Hausaufgaben zu erledigen oder regelmäßig anwesend zu sein. Oft gibt es ebenfalls Probleme mit Lehrern oder Mitschülern und manche Jugendliche berichten sogar von starker Ausgrenzung bis hin zu Mobbingerfahrungen.

Was kannst du tun, um trotz Schulstress alles unter einen Hut zu bekommen

Im ersten Moment scheint dir alles zu viel zu werden und du siehst keinen Ausweg aus deiner Lage? Es gibt jedoch eine Reihe von Möglichkeiten, wie du wieder Zeit für dich und die Schule hast und das kranke Familienmitglied trotzdem unterstützt wird.

  • Suche das Gespräch mit der Schule.
  • Bitte um eine Härtefallregelung.
  • Lass dir helfen und suche dir Unterstützung.

Reden hilft!

Es ist sehr verständlich, dass dir vielleicht die nötige Zeit zum Lernen oder für die Hausaufgaben fehlen, wenn du zu Hause auch noch viele andere Aufgaben hast und du dich um eine kranke Person kümmern musst. Wenn dich Sorgen und Alarmbereitschaft so beschäftigen, dass du an nichts anderes mehr denken kannst. Oder du dich im Notfall vielleicht erst mal um die ärztliche Versorgung deines kranken Elternteils kümmerst und deshalb auch mal ganze Tage Unterricht versäumst. Es ist aber sicher auch verständlich, dass sich deine Lehrer in solchen Fällen, um dich sorgen.

Die Schule hat verschiedenen Möglichkeiten, mit dir gemeinsam nach Lösungen und Regelungen für Probleme zu suchen. Unter Umständen könntest du auch um eine Härtefallregelung bitten. Manche Schüler, die zu Hause einen Pflegefall in der Familie mitbetreuen, erhalten Ausnahmeregelungen. Ob diese Regelung möglich ist oder nicht, wird in jedem einzelnen Fall individuell entschieden.

Die Möglichkeiten sind vielfältig. Ob du nun für eine Zeit zu Hause lernen kannst oder ihr Pflegehelfer als Unterstützung im Alltag gestellt bekommt, das primäre Ziel ist deine Entlastung und die notwendige Versorgung deiner Familie.

Was ist ein Härtefall

Für fast alles in unserem Leben gibt es gesetzliche Regelungen. Wenn sich Menschen aber in einer Ausnahmesituation befinden, können unter Umständen Sonderregelungen zum Tragen kommen. Im Einzelfall können so Regelungen gefunden werden wie

  • mehr Zeit für deine Hausaufgaben,
  • Toleranz bei nachvollziehbaren Fehlzeiten oder Verspätungsregelungen,
  • Unterstützung durch Schulhelfer oder Fördermöglichkeiten bei Lernschwierigkeiten.

Die Voraussetzung dafür ist allerdings, dass die Schule nachvollziehen kann, welche Umstände deine Schwierigkeiten gegebenenfalls verursachen. Das bedeutet, der erste, mutige Schritt wäre, dass du mit einer vertrauenswürdigen Person in der Schule über deine Situation sprichst.

  • Vertrauenspersonen in der Schule finden
  • Sprich über deine Lebensumstände
  • Informiere die Schule rechtzeitig bei Notfällen, die Fehlzeiten verursachen oder Zuspätkommen 
  • Elterngespräche führen
  • Hilfekonferenzen bei Lernschwierigkeiten oder Förderbedarf

Falls reden allein nicht hilft: In einigen Fällen hilft das Gespräch mit den Verantwortlichen in der Schule allein nicht, dann ist es sehr sinnvoll sich Verbündete außerhalb der Schule zu suchen.

(Pflege-)Verantwortung verstehen

Leider wissen immer noch viel zu wenige Menschen, was es wirklich bedeutet, wenn man als Jugendlicher so viel Verantwortung trägt. Wie schwierig es sein kann, allen Anforderungen gerecht zu werden und alles unter einen Hut zu bekommen. 

Wir stellen in unserer Arbeit oft fest, dass die meisten Menschen sich bis dahin gar nicht vorstellen konnten, dass so viele junge Menschen mit der Pflege und Sorge um eine kranke Mutter, Vater oder ein anderes Familienmitglied leben und dabei sehr ähnliche Erfahrungen machen. Aus dieser Unwissenheit entsteht häufig ein Teil der Probleme in der Schule, Ausbildung oder Uni. Vielleicht hast du auch schon selbst schwierige Erfahrungen gemacht, wenn du über die Krankheit deiner Eltern oder deine Lebensumstände gesprochen hast? Vielleicht haben deine Lehrer oder Mitschüler mit Unverständnis reagiert oder sogar Unglauben? 

Vielleicht möchtest du deshalb gar nicht mehr darüber sprechen, was bei dir zu Hause los ist? Vielleicht ist es dir unangenehm oder du schämst dich sogar dafür? 

Ein Ziel unserer Arbeit bei echt unersetzlich ist es, ein größeres Verständnis für Jugendliche, wie dich, zu schaffen. Du bist mit deinen Erfahrungen nicht allein! 

Unsere Beratung bietet deshalb beispielsweise die Möglichkeit, Gespräche zwischen deiner Familie und der Schule vorzubereiten, zu unterstützen und gegebenenfalls sogar zu begleiten. 

Schulstress durch Mobbing

Fühlst du dich in der Schule manchmal unverstanden, anders und allein? Hast das Gefühl die Lehrer behandeln dich ungerecht oder musst du dir vielleicht sogar dumme Sprüche deiner Mitschüler anhören?

Gehörst du zu den jungen Menschen, die ein krankes Familienmitglied unterstützen und daher andere Probleme haben als der Rest der Klasse? Meiden dich deine Mitschüler deshalb oder sind sie gemein zu dir?

Es ist nicht deine Schuld und du solltest dich auch nicht dafür schämen. Du musst Gemeinheiten oder gar Gewalttaten deiner Schüler nicht allein ertragen – vertraue dich jemandem an und suche dir Unterstützung!

Schulstress in Form von Mobbing, also massive Ausgrenzung, auch Cybermobbing lösen sich nicht von selbst. Mobbing kann in jeder sozialen Gruppe entstehen und die Betroffenen haben die Ausgrenzung nicht durch ihr Verhalten verursacht. Oft sind mangelndes Bewusstsein für Andersartigkeit, fehlende Sensibilität für Toleranz innerhalb der Gruppe und ein mangelndes positives Gruppengefühl die Ursache. Mobbing ist in Eigeninitiative von Betroffenen nicht aufzulösen. Aber ein positiveres Gruppengefühl kann mithilfe von Profis erarbeitet werden

Was kannst du tun bei Schulstress?

Sprich mit deinen Lehrern und erkläre ihnen deine Situation. Das ist mitunter ein schwerer Schritt für dich und kann auch unangenehm sein. Doch nur wenn du das Thema offen ansprichst, kann dir auch jemand helfen. Das hat auch nichts mit Verrat oder Petzen zu tun, du holst dir einfach Unterstützung.

Siehe auch: Kopf frei bekommen – Unsere 10 Tipps

Suche dir Verbündete, entweder in deiner Klasse oder auch außerhalb. Das können deine eigenen Eltern sein, Vertrauenslehrer, die Schulsozialarbeit oder auch das schulpsychologische Zentrum in deinem Bezirk sein. Es gibt viele Möglichkeiten – du bist nicht allein.

Eventuell bittest du einen Vertrauenslehrer um Hilfe. Es ist vielleicht sogar möglich, eine Stunde unter dem Thema Pflege eines Familienangehörigen zu führen. Dann kannst du deine Expertise in diesem Bereich einbringen und deine Mitschüler sehen dich plötzlich mit ganz anderen Augen. Es ist einen Versuch wert.

Es gibt auch eigene Schulprojekte und Methoden, die sich genau darauf spezialisiert haben, „Gemeinsam Klasse sein“ ist eines davon. Viele Schulen arbeiten bereits damit und konnten dadurch den Zusammenhalt in der Klasse stärken.

Wenn du über deine Erfahrungen sprechen möchtest, sind wir gerne für dich da. Wir hören dir zu und stehen dir mit Rat und Tat zur Seite. Nutze unsere Online Beratung oder ruf uns einfach an 030 / 61202482.

Zuviel Schulstress und Belastung durch Pflege – Lass dir helfen

Obwohl viele junge Menschen mit erkrankten Familienmitgliedern sehr ähnliche Probleme haben, gibt es rechtlich bisher wenig Regelungen, auf die sich die betroffenen Familien zur Unterstützung oder Entlastung über die Schule rechtssicher berufen können. Aus diesem Grund werden Lösungen für gegebene Probleme meist im Einzelfall verhandelt. 

Für junge Menschen, die sich um kranke Familienangehörige kümmern, gibt es verschiedene Anlaufstellen. Hast du einen Vertrauenslehrer, kann hier schon ein Gespräch sinnvoll sein. Eventuell kann auch der Direktor der Schule dabei sein. Es ist wichtig, deine Doppelbelastung für die Schule sichtbar zu machen, damit diese entsprechend reagieren kann.

Auch Schulpsychologen sind gute Ansprechpartner, wenn der Stress in der Schule oder an der Uni zu viel wird.

Schulsozialarbeiter etwa, können als Bindeglied zwischen dir und deiner Schule fungieren und euch mögliche Lösungen aufzeigen. Hier findest du eine Liste möglicher Ansprechpartner in Berlin.

Auch die Inanspruchnahme von Pflegediensten, Tagespflegen oder Haushaltshilfen kann zur Entlastung beitragen. 

Gerne unterstützen wir dich dabei, nach geeigneten Möglichkeiten für dich und deine Familie zu suchen.

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