Überfordert mit der Pflege der Mutter2020-09-17T08:40:45+01:00

Wenn Dir alles zu viel wird – Überlastet durch die Pflege und Hilfe für deine Mutter oder Vater

Überfordert mit der Pflege der Mutter oder des Vaters als Young Carer? Wenn du dich um ein Familienmitglied mit einer Krankheit oder Behinderung kümmerst, hat das oft gute Seiten, bringt aber auch Schwierigkeiten mit sich. Gerade wenn es um die Pflege und die Hilfe für deine Mutter oder deinen Vater geht, ist es für dich wahrscheinlich nicht immer leicht. Vielleicht übernimmst du nun viele ungewohnte Aufgaben, für die vorher deine Eltern zuständig waren. Vielleicht bist du sogar ganz allein für die Sorge um deine Mutter oder deinen Vater verantwortlich? 

Das sind sehr große Herausforderungen, die sicher auch anstrengend sein können. Viele neue Aufgaben im Alltag oder auch die Verantwortung für viele verschiedene Aufgaben können auf Dauer zu einer Überlastung führen. Das Gefühl von Überforderung entsteht meist in der Folge einer andauernden Überlastung. Um das zu verhindern, ist es wichtig deine eigene Gesundheit und deine Gefühle ernst zu nehmen. Denn wenn du gut für dich sorgst, kannst du auch besser für Andere da sein. Viele Jugendliche berichten uns in der Beratung davon, sich manchmal überfordert zu fühlen. 

Oft haben sie ein schlechtes Gewissen oder das Gefühl ihre Aufgaben nicht gut genug zu machen. Dahinter steht oft ein sehr hoher Anspruch, alles möglichst gut unter einen Hut zu bekommen. (Pflege-) Verantwortung für einen kranken Elternteil zu übernehmen ist oft viel zusätzliche Arbeit. Junge Menschen, wie du, haben unter anderen Bedingungen bereits oft viele eigene Aufgaben beim Erwachsenwerden. Da ist der Bereich der Schule oder Ausbildung, Freundschaften und Hobbys, die gepflegt sein wollen und nicht zuletzt eben auch einfach mal Zeit für Erholung. Kommen dazu Verantwortung und Sorge um ein krankes Elternteil, ist es sehr verständlich, dass das manchmal zu viel ist.

Wir, das Team von echt-unersetzlich, möchten dir hier ein paar Hinweise dazu geben, wie du eine mögliche Überlastung besser erkennst oder noch viel wichtiger, was du tun kannst, um eine Überlastung im besten Fall sogar zu verhindern.

Und plötzlich machst du es einfach

Es kann ganz plötzlich passieren, dass ein Elternteil erkrankt und auf Hilfe angewiesen ist. Für viele junge Menschen ist es dann ganz normal, für die Eltern da zu sein und sich um sie zu kümmern. Deine Mutter hat einen Arzttermin, den du begleitest, dein Vater braucht Hilfe beim Anziehen oder du hältst nun die Wohnung sauber, sorgst für deine Geschwister und für einen vollen Kühlschrank? Du übernimmst wahrscheinlich erstmal alles was anfällt – Der Laden muss laufen! Unterstützung und tatkräftige Hilfe lassen Familien oft noch enger zusammenwachsen. Aus dem Wunsch, die Situation als Familie allein zu bewältigen und nicht auf Hilfe von Außenstehenden angewiesen zu sein, übernehmen junge Menschen oft engagiert und bereitwillig notwendige Aufgaben. 

Manchmal entwickelt sich eine Krankheit auch schleichend, wie Alzheimer oder Multiple Sklerose. Anfänglich übernimmst du vielleicht nur leichte Aufgaben, mit der Zeit werden es aber immer mehr. Du rutschst dann einfach so rein in diese Rolle. Du möchtest helfen und bist so für deine Familie unersetzlich wichtig, das ist wirklich toll und eine große Leistung. Ebenso wichtig ist es aber auch, dass du dir nicht zu viel auflädst und deine eigenen Grenzen erkennst. Denn mutest du dir auf Dauer zu viel zu, kann das zu Stress werden und zu einer Überforderung führen.

Anzeichen einer Überforderung

Doch wie kannst du selbst möglichst früh merken, dass du über deine Grenzen gehst oder überlastet bist?

Bist du häufig müde und lustlos? Hast du wenig Zeit für deine Freunde oder kannst aufgrund deiner Aufgaben deinem Hobby nicht mehr nachgehen? Kannst du vielleicht nur noch schwer entspannen, weil dein Kopf nicht aufhören kann zu denken oder hast du gar körperliche Beschwerden? All das können bereits Anzeichen für eine Überforderung sein. Wenn du folgende Warnzeichen an dir entdeckst, solltest du einen Gang zurückschalten und dir Hilfe suchen:

  • Schlechte Laune, Gereiztheit, unerklärliche Wut.
  • Permanente Müdigkeit, du fühlst dich erschöpft.
  • Probleme in den Schlaf zu finden oder durchzuschlafen.
  • Nervosität, Unruhe und ständige Sorge.
  • Probleme in der Schule, schlechtere Noten.
  • Du ziehst dich zurück und hast zu wenig Zeit für deine Freunde.
  • Angst, Stress, Verzweiflung.
  • Zunehmende Traurigkeit, du weinst oft ohne Grund.
  • Gewichtsverlust und wenig Appetit.
  • Körperliche Schmerzen ohne ersichtlichen Grund.
  • Muskelzuckungen, besonders im Gesicht.

Es ist für Betroffene selbst oft schwer rechtzeitig zu erkennen, dass die eigenen Aufgaben zu viel werden. Du solltest nicht warten, bis es dir schlecht geht und du gar nicht mehr kannst. Lass dir helfen, niemand muss alles allein bewältigen! Hilfe zuzulassen und Verantwortung auch mal abgeben zu können, ist ebenfalls eine große Stärke. Vielleicht findest du in deinem Umfeld Menschen, die dich entlasten – liebe Verwandte, Nachbarn oder Freunde? 

Falls eine solche Person in deinem Umfeld fehlt, schaue nach professioneller Hilfe oder melde dich direkt bei uns. Viele Aufgaben rund um deine kranken Eltern oder euren Haushalt können auch von Fachleuten geleistet werden.

Was kannst du tun, um eine Überlastung zu vermeiden

Sobald du merkst, dass dich die ganze Situation belastet, solltest du rechtzeitig die Reißleine ziehen und etwas ändern. Dafür musst du dich nicht schämen und es ist auch kein Zeichen von Schwäche. Denn niemand kann alles schaffen. Und das verlangt auch niemand von dir.

Es ist ok um Hilfe zu bitten. Jeder braucht mal eine Pause. Auch Eltern, die sich um ihre Kinder kümmern, brauchen manchmal Zeit nur für sich selbst, um Kraft zu tanken.

Wie fühlst DU dich?

Nimm dich und deine Gefühle ernst. Höre in dich hinein, halten sich positive und negative Gefühle die Waage oder fühlst du dich vermehrt traurig, wütend oder frustriert?

Wie fühlst du dich morgens auf dem Weg zur Schule/Ausbildung/Arbeit, wie vor dem Einschlafen? Gibt es Zeiten, zu denen du nicht an deine kranke Mutter oder deinen Vater denkst und einfach mal du sein darfst?

Überfordert mit der Pflege der Mutter? Reden hilft!

Sprich über deine Gefühle und wie es dir mit deiner Verantwortung geht. Am besten mit deiner Familie, denn deine Familie möchte sicher wissen, wie es dir geht. Wenn das schwierig ist, weil du vielleicht niemanden kränken oder belasten möchtest, wende dich an andere Vertrauenspersonen oder Profis – also uns, gerne auch anonym über unsere Onlineberatung. Wir haben immer ein offenes Ohr für dich. 

Erlaube anderen, dir zu helfen

Such dir Menschen, die dich unterstützen können. Vielleicht gibt es Verwandte oder Nachbarn, zu denen ihr ein gutes Verhältnis habt.

Überlege dir, welche Aufgaben du gut selbst meistern kannst und was dir schwerfällt. Verantwortung wird leichter, wenn sie auf möglichst vielen Schultern getragen wird. Nicht jeder macht alles gleich gern. Vielleicht machst du lieber den Einkauf, als den Abwasch? Vielleicht gibt es die Möglichkeit unliebsame Aufgaben in der Familie neu zu verteilen oder abzugeben? Vielleicht gibt es sogar Aufgaben, die unangenehme Gefühle wecken? Es ist  beispielsweise nicht immer leicht, der eigenen Mutter bei der täglichen Körperpflege zu helfen. Viele Jugendliche empfinden dabei manchmal Scham oder gar Ekel. Diese Gefühle sind ein wichtiger Hinweis darauf, dass dir eine Aufgabe schwer fällt und vielleicht nicht guttut. Diese Gefühle sind unter diesen Umständen sehr normal und es ist wichtig auch darüber sprechen zu können.

Wenn möglich, versuche unangenehme Aufgaben an andere Vertrauenspersonen abzugeben, die besser damit zurechtkommen. Fehlt eine solche Person in deinem Umfeld, suche dir Hilfe und Unterstützung von Profis.Es gibt vielfältige Angebote, die euch unterstützen können. Vielleicht kann ein ambulanter Pflegedienst helfen? Für die Mitarbeiter dieser Pflegedienste ist der Umgang mit hilfsbedürftigen Personen ganz normal und auch für deine Mutter ist es unter Umständen angenehmer, wenn professionelles Pflegepersonal gewisse Aufgaben übernimmt. 

Vielleicht helfen euch Vertrauenslehrer*innen oder Schulsozialarbeiter*innen, um Probleme in der Schule zu lösen? Oder ihr möchtet einfach mal alles loswerden und braucht jemandem zum Reden? Dann ist vielleicht eine Beratungsstelle oder Telefonhotline gerade richtig. Melde dich gern bei uns und wir schauen gemeinsam, welche Hilfen für dich und deine Familien infrage kommen könnten. 

Schau auf dich

Du kannst Anderen viel besser helfen, wenn es dir selbst gut geht. Achte daher auf dich und kümmere dich auch um dich selbst. Versuche genügend Schlaf zu bekommen, dich gesund zu ernähren und auch Freude in deinem Leben zuzulassen.

Reserviere dir fixe Zeitfenster, die nur dir gehören. In dieser Freizeit kannst du dich mit Freunden treffen, Sport machen oder auch für die Schule lernen. Versuche unbedingt raus aus der Wohnung oder aus dem Haus zu kommen, so kannst du auch gedanklich etwas abschalten.

Wir wissen natürlich, dass das im Alltag gar nicht so leicht umzusetzen ist. Es ist aber wichtig, damit du nicht selbst auf der Strecke bleibst.

Überlege, was du zur Entspannung gern tust und wobei du gut abschalten kannst, denn niemand kann immer nur funktionieren. Schöne, leichte und lustige Momente geben uns Kraft für die anstrengenden Zeiten

Auch du musst gesund bleiben

Überlastung kann sich auch auf deine Gesundheit auswirken, daher solltest du auf dich achten. Dabei ist nicht nur die körperliche Gesundheit gemeint, auch die Seele sollte gut gepflegt werden. 

Jeder Mensch braucht diese Dinge, um gesund zu bleiben:

  • Sinnvolle Tätigkeit
  • Freunde und soziales Leben
  • Ausreichend Schlaf
  • Gutes, gesundes Essen
  • Bewegung
  • Freude und Hoffnung

Siehe auch: Tipps, um den Kopf frei zu bekommen.

Wenn dir etwas davon fehlt, melde dich gern bei uns – wir suchen gemeinsam nach Möglichkeiten und Lösungen.

Du darfst auch mal Nein sagen

Erlaube dir selbst auch mal Nein zu sagen. Sich um die kranke Mutter zu kümmern, ist eine schwere Herausforderung und nicht einfach zu meistern.

  • Schaffe dir Distanz und etwas Freiraum. Gönne dir Zeit für dich und tue dir etwas Gutes.
  • Gib einen Teil deiner Aufgaben an andere Familienmitglieder ab und teilt die Verantwortung.
  • Holt euch professionelle Hilfe, beispielsweise in Form von Pflegediensten, Essen auf Rädern oder Haushaltshilfen.

Wo bekomme ich Hilfe, wenn ich überfordert bin

Die Belastung pflegender Angehöriger kann enorm sein. Besonders Kinder und Jugendliche wollen gerne zu Hause mithelfen und achten dabei nicht immer auf  ihre eigenen Grenzen. Und tragen deshalb ein größeres Risiko sich einer Überlastung auszusetzen. Pflegeverantwortung ist eine große Leistung und manchmal schwer zu tragen. Du musst nicht alles allein machen. Erlaube anderen dir zu helfen. Nur wenn es dir gut geht, kannst du gut für andere Sorgen. Es gibt viele verschiedene Angebote, die jungen Menschen wie dir dabei helfen können mit der Verantwortung, den Ängsten und den Problemen umzugehen. Hier findest du ein paar Beispiele: 

  • echt unersetzlich – Hilfe und Unterstützung für Jugendliche und junge Erwachsene
  • Jugendberatungsstellen
  • Pflegestützpunkte in deiner Umgebung
  • Pflegekasse und Krankenkasse
  • Der behandelnde Arzt
  • Ambulante Pflegedienste
  • Selbsthilfegruppen

Vielleicht brauchst du auch nur ein offenes Ohr, um mal alles rauszulassen oder eine Person die die Möglichkeiten für Unterstützung gemeinsam mit dir durchgeht?

Melde dich gern bei uns und wir schauen gemeinsam, was dir in deiner Situation gerade am besten helfen kann. In einem persönlichen Gespräch unter der Telefonnummer 030 / 61202482 oder in unserer Onlineberatung.

 

 

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