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  • Hilfe für dich als pflegender Jugendlicher
Für Dich2019-08-15T15:48:23+01:00

Für Dich

Hilfe und Unterstützung für Jugendliche und junge Erwachsene

Wenn du unsere Internetseite gefunden hast, dann hast du wahrscheinlich einen Menschen in deiner Familie, der Hilfe braucht. Wahrscheinlich hilfst du mit so viel du kannst. Das machst du meistens gerne und es ist auch normal für dich: das macht man eben! Es ist ja auch schön, helfen zu können, etwas zurückgeben zu können.
Für andere Sachen bleibt dann aber oft weniger Zeit: Du kommst nicht mehr so viel raus. Du kannst dich nicht mehr so oft mit deinen Freunden treffen. Abschalten oder Entspannen ist ohnehin nicht leicht, wenn du immer an den Menschen denken musst, dem du hilfst. Vielleicht machst du dir auch Sorgen oder hast Angst, dass es ihr oder ihm noch schlechter geht. Und dich auf die Schule oder Uni zu konzentrieren fällt dir auch immer schwerer. Für ein paar Tage und Wochen geht das vielleicht noch.  Aber wenn man dann länger keine Zeit hat für das eigenes Leben – Freunde, Hobbies oder einfach entspannen– kann das eben auch frustrieren, traurig und wütend machen.

Du fragst dich, wie du das alles unter einen Hut bekommen sollst? Wir haben für dich hier unten ein paar Tipps zusammengestellt, wie du deinem Familienmitglied helfen kannst und gleichzeitig nicht auf deine Wünsche verzichtest. Denn nur wenn es DIR gut geht und du auch dein eigenes Ding machst, kannst du deine Familie gut und auf Dauer unterstützen in einem Maß, wie du es möchtest.

Viele von Euch haben uns erzählt, wie schwer es ihnen fällt, zu Hause über die eigenen Wünsche zu reden. Oder auch darüber, was Euch Sorgen, Angst oder wütend macht. Viele wollen nicht „noch mehr Stress machen“ und denken, dass die hilfebedürftige Person an erster Stelle steht. Das ist in Phasen, in denen der Familienalltag auf dem Kopf steht, eine ganz normale Reaktion und zeigt, dass Du sehr feinfühlig bist. Dir ist es wichtig, dass ihr als Familie zusammenhaltet und erst Mal einen guten Weg findet, mit der Situation umzugehen. Nur, auf Dauer tut es dir nicht gut, wenn du deine eigenen Wünsche und Gefühle zurückstellst. Und leider gewöhnt man sich sehr schnell daran, die eigenen Bedürfnisse zurückzustellen, wenn man erst mal damit angefangen hat. Dadurch gehen deine Wünsche und Probleme nämlich nicht weg  -je länger sie verdrängt, aufgeschoben oder runtergespielt werden, desto drängender und stärker kommen sie irgendwann zurück.

Als Jugendliche/r ist es dein gutes Recht auch ein/e Jugendliche/r zu sein. Das heißt, auch wenn du gerne zu Hause mithilfst, ist es nicht deine Verantwortung, dass alles läuft. Deine Eltern sind immer noch die, die auf dich acht geben sollten und nicht anders herum. Das bedeutet auch, dass du dich mit deinen Sorgen und Wünschen auch an sie oder andere Erwachsene in deiner Familien wenden darfst. Wir wissen, viele von Euch haben die Sorge, dass Ihr Eure Eltern noch mehr belastet, wenn Ihr über Eure eigenen Sorgen sprecht. Meistens machen sich Eure Eltern aber sowieso Gedanken und fragen sich, wie es Euch wohl mit allem so geht. Also erlaubt es euch, auch weiterhin Sohn, Tochter oder Enkelkind zu sein – auch wenn ihr jetzt manchmal auch Haushaltsmanager/in, Kümmerer/in, Pfleger/in oder Geschwisterbetreuer/in seid.
Und auch wenn du schon Erwachsen bist und dich um ein Familienmitglied kümmerst ist es genau so wichtig, offen und ehrlich mit den anderen Menschen in deiner Familie zu reden. Ihr seid ein Team und könnt nur gut zusammen arbeiten, wenn jeder mit seinen Aufgaben einverstanden ist und Sorgen für die Zukunft auch besprochen werden.

Klar, manchmal gibt es Gedanken und Themen, die will man (noch) nicht mit seinen Eltern besprechen. Das sind dann oft Themen, wo dich deine Freunde gut verstehen können und es sich lohnt, so mutig zu sein und es anzusprechen! Auch wenn du dir vielleicht denkst: Wie kannst du ihnen erzählen, wie dein Tag aussieht? Eure Leben sind so verschieden. Ob sie das verstehen, oder es voll peinlich finden, was du zu Hause alles tust? Darfst du sowas Privates überhaupt weitersagen? Wenn das Jugendamt etwas mitkriegt, gibt es dann Ärger?

Solche Fragen und Ängste können wir gut verstehen. Wir wollen dir aber Mut machen, mit anderen über dein Leben zu reden. Jeder muss mal reden, wenn’s ihm nicht gut geht. Was du machst, ist auch nichts Außerirdisches: Es gibt mehr kranke oder behinderte Menschen als man denkt – In Berlin hilft in jeder Klasse 1-2 SchülerInnen einem Menschen in der Familie, der krank ist oder eine Behinderung hat! Das ist also ein ganz normales Thema, darüber kannst du echt sprechen. Wenn du erstmal nicht weißt, wie du anfangen sollst, kannst du dich auch an Profis wenden. Du kannst auch uns eine anonyme Mail schicken und uns erzählen, was dir Gedanken macht. Natürlich kostenlos und anonym!

Wenn du einen Menschen in deiner Familie hast, der eine Krankheit oder Behinderung hat, hol dir Informationen über diese Erkrankung! Manche Erkrankungen führen dazu, dass sich Menschen anders verhalten, als früher. Sie scheinen (komplett) verändert oder sind häufiger traurig, wütend oder fröhlich. Sie haben vielleicht Krampfanfälle oder zittern. Das kann für viele Jugendliche und junge Erwachsene beängstigend sein und fühlt sich manchmal unberechenbar an.

Wenn du aber weißt, welche Auswirkungen (Symptome) die Krankheit hat und warum sie auftreten, kann das beruhigen. Du wirst dann wahrscheinlich auch Informationen darüber finden, wie der Verlauf der Krankheit ist. Ist sie heilbar oder wird sie immer schlimmer? Zu hören, dass eine Krankheit nicht heilbar ist und irgendwann auch zum Tod führen kann, ist erst Mal eine furchtbare Information. Aber du wirst auch bald merken, dass es dir helfen kann, wenn du dich darauf vorbeiten kannst, was kommt. Traurigkeit und Angst sind aber ebenso normale Gefühle in solchen Situationen. Es kann helfen, darüber zu sprechen – in deiner Familie oder mit Sozialarbeitern und Psychologen. Wir helfen dir gerne weiter.

In jeder Schulklasse pflegen 1-2 Schüler*innen ein Familienmitglied! „Pflege“ bedeutet zum Beispiel das An- und Ausziehen der kranken Person, ins Bett bringen oder aus dem Bett helfen, beim Essen helfen, beim Duschen und Waschen helfen oder auch die Medikamente zu geben. Es kann auch bedeuten, auf den Menschen aufzupassen oder ihn / sie zu beschäftigen.

Je nachdem welche Krankheit oder Behinderung die Person hat, sind diese Aufgaben nicht immer einfach. Professionelle Pflegekräfte machen dafür eine mehrjährige Ausbildung – und es empfiehlt sich übrigens oft, sich von ihnen Hilfe zu holen – aber Familienmitglieder machen das meist nach dem Prinzip learning by doing. Aber gerade bei Aufgaben, die dich körperlich oder emotional belasten, lohnt es sich, sich Informationen und Tipps zu holen, wie das am besten geht. Wir helfen dir dabei gern.

Vielleicht hast du so etwas auch schon erlebt: Die kranke Person liegt zuckend auf dem Boden und reagiert nicht mehr auf dich. Oder sie liegt ohnmächtig im Bett und du bekommst sie nicht wach.

Es gibt viele Arten eines Notfalls aber eines ist meist gleich: Sie kommen plötzlich und meist weiß man nicht, was man tun soll. Und wenn solche Notfälle öfter passieren, hast du vielleicht auch manchmal Angst, dass es bald wieder los geht und stehst unter Stress.

Damit du in Notfällen so ruhig wie möglich bleiben kannst, kann es helfen, sich einen Notfallplan zu machen. Das kann ein Stück Papier sein oder ein Dokument in deinem Handy. Darauf notierst du die Nummer des Notrufs 112, die Adresse und Name der wichtigen Ärzte und die Handynummern wichtiger Familienmitglieder und Bekannter, die in solchen Fällen informiert werden müssen. Auch wichtig sind Informationen über die Krankheiten, die die Person hat und die Medikamente, die sie nimmt. Das können wichtige Infos für das Krankenhaus und den Notarzt sein.

Wichtig: Sprich auch mit der erkrankten Person und anderen Familienmitgliedern darüber, wie ihr euch in einem solchen Notfall verhalten wollt und was noch auf den Notfallplan kommt.

Jugendliche und junge Erwachsene, die sehr stark in die Unterstützung für eine kranke Person eingebunden sind, stecken oft eigene Wünsche zurück. Auch wenn es manchmal nicht anders zu gehen scheint, ist es auf jeden Fall keine Dauerlösung! Du hast dein Leben noch vor dir und legst jetzt den Grundstein für deine Zukunft. Klar, du musst noch nicht planen, mit wie vielen Kindern du wann wo und mit wem leben wirst. Aber ob du dich für eine Ausbildung, Studium oder Job entscheidest, sind wichtige Fragen. Soll es der perfekte Studiengang am anderen Ende Deutschlands sein oder bleibst du lieber in der Nähe und studierst Plan B? Und überhaupt: ziehst du von zu Hause aus nach der Schule und genießt deine Freiheit oder bleibst du lieber erst Mal zu Hause, weil es ohne dich nicht laufen wird?

Das sind wichtige Fragen, die eine Auswirkung auf dein Leben als Erwachsene*r haben werden. Es ist wichtig, dass du zum Ende der Schulzeit darüber nachdenkst, was du wirklich willst. Gibt es vielleicht einen Weg, der es dir erlaubt, dein Ding zu machen ohne dass du das Gefühl hast, deine Familie im Stich zu lassen?

Wir können dir auch helfen, andere Jugendliche kennenzulernen, die sich um jemanden in der Familie kümmern. Sie wissen, wie es dir geht, und verstehen, wenn du mal ein Treffen absagen musst, weil es deiner Mutter auf einmal schlechter geht. Zur Zeit organisieren wir beispielsweise einen Impro-Theater Workshop ein Mal im Monat. Hier bist du immer willkommen 🙂

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